Bilanz der Zuschauer
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Nach der Veröffentlichung der DVD lasse ich 10 Monate vergehen und schaue dann bei den Kritiken des Volkes in https://www.amazon.de/Mackie-Messer-Dreigroschenfilm-Tobias-Moretti/product-reviews/B07KFQ73VV/ref=cm_cr_arp_d_viewpnt_rgt?ie=UTF8&reviewerType=all_reviews&filterByStar=critical&pageNumber=1 nach:

Ja, die schreiben vergleichbares wie ich, vielfältig und originell, aus Sicht derjenigen, die nur die Kinoversion anschauen können - wo ich immerhin als Komparse dagegen halte: Leute, der Regisseur war untauglich, schon bei der Besetzung mit Schauspielern war er ein Tölpel. Alles drunter habe ich hingegen als okay bis klasse erlebt.

Kritiken bei Amazon, Stand 16.7.2019:

Selten so etwas Schlechtes gesehen: mieser Gesang, schlechte Tanzeinlagen und moralisierende Sprüche. Man meint die Grünen haben mit den Linken und der Groko einen Film gedreht.

Zweieinhalb Stunden selbstgerechter, dümmlicher Klassenkampf, Deutschlehrer-Naivität, gedrechselte Langeweile, die mich dreimal einschlafen ließ, furchtbar schlechter Gesang, schlimmer Tanz. 
Einen halben Punkt für große Namen in einem Meer linkstraditionalistischer und furchtbar fantasieloser Eitelkeit: Tobias Moretti, Lars Eidinger und Joachim Krol. Deutsche, kulturtümelnde Besserwisserei. Oh mein Gott, war das übel.

Gut gemeint ist nicht gut gemacht: Der Film berührt nicht, wirkt durch mittelmäßige Computeranimationen wie ein überfrachtetes Spektakel, ohne Leben. Nach geraumer Zeit herrscht gepflegte Langeweile, die nur gelegentlich durch die guten Songs unterbrochen wird.

Mit großem Aufwand wird eine musicalcineastische Maus geboren. Lars Eidinger als Brecht ist eine unfreiwillige Lachnummer mit Dauerzigarre, die biedere Hannah Herzsprung als Polly eine veritable Fehlbesetzung und Max Raabe als Moritatensänger nur eine Max-Raabe-Parodie. Brechts Filmtext besteht komplett(?) aus originalen und im einzelnen durchaus sinnvollen oder "bedeutenden Zitaten", ist aber so geistlos zusammengemanscht, dass sie schon von weitem eben nur als zusammengemanschte Zitate des Meisters daherkommen.
Das ambitionierte Filmprojekt erweist sich als prätentiöser Budenzauber und wird spätestens dann zum mittelschweren Ärgernis, wenn man sich dabei ertappt, dass einem beim Anschauen sogar die bislang immer geliebten, so wunderbaren Lieder der DGO auf den Senkel gehen.

Berthold Brechts „Dreigroschenoper“ dürfte ziemlich jedem zumindest ein Begriff sein, ist sie doch bis heute eine der erfolgreichsten deutschen Stücke überhaupt. Der deutsche Regisseur Joachim Lang nahm sich eine gute Portion der bekanntesten deutschen Schauspieler, und drehte seine ganz eigene Version von Brechts Stück. Er drehte nicht einfach eine filmische Version der „Dreigroschenoper“, sondern verwebte die Geschichte mit den Querelen die Brecht und sein Komponist Kurt Weill mit der damaligen Filmproduktionsfirma hatten, welche die Oper nicht nach den Wünschen Brechts umsetzen wollten. Somit entstand mit „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ ein Werk, welches die Zeitebenen zwischen der eigentlichen Handlung der Oper um Macheath, Peachum und dessen Tochter Polly und denen um Brechts Kampf um den Film selbst verschwimmen lassen, und ebenso die vierte Wand zum Zuschauer teils durchbricht. Untermalt ist das Ganze, um thematisch beim Theaterstück zu bleiben, natürlich noch mit Gesangseinlagen.
Ehrlich gesagt mag Langs Film sehr ambitioniert sein, vor allem da er Brechts Figur fast ausschließlich mit belegten Zitaten des echten Brecht agieren lässt, und auch sonst seine Ahnung um Brecht und sein Werk unumstößlich sehr umfassend zu sein scheint, aber das ist beim Film nun einmal nicht alles. Natürlich glänzt die Besetzungsliste definitiv! Von Tobias Moretti, Robert Stadlober, Joachim Krol, Lars Eidinger über Christian Redl, Claudia Michelsen, Hannah Herzsprung und viele andere bis hin zu Max Raabe, hier ist Schauspielelite versammelt, die ihre Aufgabe auch gut macht. Die teilwiese Ausrichtung des Films zum Musical hingegen passt für mich nicht schön ins Bild, und auch die Wechselei zwischen den filmischen Szenen zu den wiederum echten mit Brecht, das mag alles seinen Sinn haben, um das große Ganze darstellen zu können, tut dem Unterhaltungswert von „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ aber im Endeffekt einen Abbruch.

Dieser Film hat mich sehr gelangweilt. Und zwar nicht wegen der vielversprechenden Thematik, sondern wegen der enttäuschenden Herangehungsweise. Trotz großer Namen und Schauwerten ist die Inszenierung einfach hölzern. Von Beginn an klingen die Dialoge gekünstelt und falsch. Das hat Gründe: Der Text von Brechts Charakter basiert komplett aus belegten Zitaten und das merkt man. Es sind Aussagen, die es wert waren, für die Nachwelt festgehalten zu werden, und somit auch mit entsprechender Sorgfalt formuliert worden sind. Aber hat selbst ein Brecht auf diese Weise auch mit seinen Kumpanen nachts in der Kneipe so geredet? Ich meine nein, und wenn man ausschließlich solch bierernsten Intellektuellensprech in eigentlich unbefangenen Situationen hört, geht das Hineinversetzen in die Figuren in großen Maße flöten, zumal die Schauspieler*innen auch nichts dagegen unternehmen. Ich rede hier von Darsteller*innenqualität auf dem Niveau eines Vorabenddokudramas mit Spielszenen zum Fremdschämen.

Musik oft so laut, dass man das Genuschle der Schauspieler schlecht versteht.
Bei den piepsigen Songs denkt man wehmütig an die große Brechtinterpretin Gisela May.