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6.3.2017 22.30 h Der erste Tag als Komparse im "Dreigroschenfilm" war klasse. War eine aufregende Erfahrung. Ich hatte mit dem Üblichen gerechnet:

1. lange Wartezeiten, bis man mal wieder mit Filmhandlung dran ist

2. das Drehen dauert endlos; 12 Stunden pro Tag statt der anvisierten 8 Stunden sind Standard.

Beides traf zu - aber ich hab´s ja nicht anders erwartet. Um mich herum gab es viele Komparsen, die von ihren Behauptungen her schon in einem Dutzend Filme als Komparsen dabei waren. Sie hatten dazu zahlreiche Stories auf Lager und klärten insgesamt die Lage.

Der "frühe Morgen" des erstens Drehtages killt meine allgemeine Bereitschaft, bei einem Film eine Kleinrolle zu spielen. Ich muss in Stuttgart um 4.20 h aufstehen, um 4.40 h losfahren, damit das einschließlich Parkplatzsuche klappt. Bah. Ich denke über mein Dabeisein als Komparse oder überhaupt Darsteller wohl nochmal nach. Vor zehn Uhr morgens soll bei mir nichts starten.

Immerhin merkten dann auch die Organisatoren, dass sie uns Komparsen zu früh bestellt hatten. Am zweiten Tag brauchten wir erst eine Stunde später aufzukreuzen. Ich mache hier das alles mit, aber von meinem morgendliche Heldentaten vermeidenden Stil (den ich übrigens, wenn ich selbst Film drehe, aufrecht erhalte) bleibt auch "eine Stunde später" weit entfernt.

Auszug aus meiner Sed Card:

Berufe:  Pädagoge Musiker

Sportarten:  Leichathletik Tanzen

Hobbies:  Gesellschaftstanz z.B. Walzer Karneval Rollenspiele Theater spielen

Spezialwissen:  Schriftstellerische Fähigkeiten

Spezielle Kleidung:  1980er Anzug Herren Gothic Mittelalter Punker

Musik:  E-gitarre Pop-Gesang Schlagzeug Trommel

So ging ich denn nach zwei Tagen lehrreichen Dabeiseins und ließ eine Karawane von Menschen zurück, die sich zwei Monate lang mit täglichem 12-Stunden-Eifer durch den Drehplan wälzte.

Immer schon hatte ich ungefähr das vom "Drehen eines großen Films" gedacht, was ich hier als kleiner Komparse von der Seite her anzuschauen bekam: Du wirfst einen beträchtlichen Teil deines Lebens und Eifers hinein in solch ein Riesenprojekt - und allzuoft bleibt dieses Megaprodukt stecken und gelangt nicht zum Kassenerfolg, ist kein Film, auf den nach einigem Abspielen noch zurückgegriffen wird.

Eine riesige "Filmhalde" kaum gesehener Filme türmt sich ja in der Welt. Und schaut man in diese Filme hinein, so ist leider sehr oft ihr Verblassen gerechtfertigt. Es sind enorm viele Komponenten erforderlich, damit ein Film nachhaltig wirkt.

Hier zum Beispiel meine ich zwei Abzüge machen zu müssen zwischen drei Applausen für Komparsen-Regisseur, Schauspieler und Ausstattung: Der Regisseur war ein ferner, leise sprechender Kopfmensch, den ich bei manchen szenischen Entscheidungen falschliegend und nie, auch da, wo es den Film befördert hätte, engagiert erlebt habe. Und die Ausleuchtung folgte Regeln, die sich mir nicht erschließen. Sie tat zu wenig.

Zwei Abzüge - unpräsente Regie und matte Ausleuchtung - können einen ganzes, riesiges, engagiertes Filmprojekt aber schon absacken lassen. Nächstes Jahr 2019 kommt das Ding raus. Klar gehe ich dafür ins Kino. Klar will ich später den Film in mein Archiv holen. Schaun wir mal.