Aufwand
   

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Ein Filmdreh ist vordere Front des Arbeitens: Du schaffst etwas inhaltlich Neues aus dem Nichts.
Ich treffe hier mehr hoch motivierte Leute als in anderen Jobs.

Für mich sind die Inhalte, die gedreht werden, allerdings etwas tragisch: Unterhaltung. Die - bei Soko auch guten; es hat schon Gründe, warum die Serie so lange läuft - Drehbuchschreiber versuchen, in die Rahmenhandlung gesellschaftliche Themen einzubauen - ich als Obdachloser gehöre dazu.

Von den Filminhalten, wie ich sie drehe (wir verraten hier mal, dass ich nicht mit passivem Auge durch die Dreharbeiten laufe, sondern als aktiver Filmschaffender) bleibt mir aber ein "Krimi" vom Prinzip her fern.

Die Zeit am Set ist aber Party für mich, und "Party" mag ich. Dass man Komparsen arg lange herumstehen lässt, bis sie mal zum Einsatz kommen, überbrücke ich: Erstes mit Fotoberichten wie hier, zweitens habe ich Lektüre und eine kleines Computer-Tablet im Gepäck.

Für die Drehtage wurde eine Wohnwagen-Siedlung errichtet: Ein harter Kern wohnte am Drehplatz. Solche eng gepackten Wohnwagen-Dörflein kenne ich ansonsten vom Jahrmarkt.

Jeden Morgen begrüßt uns Uwe mit einem gigantischen  Frühstück. Wäre ich mehr als zwei Tage am Set, würde ich hier zwei Kilo zunehmen.

Einen Bus der Stadt Stuttgart umzubauen in eine fahrbare Kostüm- und Schmink-Station: Klasse Idee, und sie funktioniert!

Die Filmtechnik ist hundertmal teurer als meine (Bei den Tatort-Krimis ist sie dann noch zehnmal teurer als hier bei den Soko-Krimis).

Bei dem Filmfahrzeug unten beachte man den schicken blauen Deko-Strich: Der symbolisiert mit seiner Perforierung einen klassischen Analog-Film-Streifen. Und das Highlight ist die Fahrzeugnummer: S-OK wie "SOKO" :-)

Zum ersten Mal ließ ich mir am 27.4.2021 einen Drehplan für diesen Tag zeigen. Ich empfand ihn als riskant genau. Riskant, weil ich enorm oft Verlängerungen der geplanten Drehzeit erlebe: Eine Szene klappt nicht und wird vielfach wiederholt - zack, braucht man eine Stunde mehr als zu erwarten war. Oder am Drehort gibt es wirksame Gründe, die Szene anders zu drehen, als sie im Drehbuch stand und damit auch vermutlich im Drehplan: Auch das führt ganz schnell zu mehr als einer Stunde Zeitverlängerung und wirkt sich eventuell auf andere Szenen aus.

Dass ich als Obdachloser spreche, war im Drehbuch gar nicht vorgesehen. Und auch mein Einstieg in den Film wurde frisch erfunden: Der Kameramann sah meinen Einkaufswagen mit Krimskrams und sagte spontan: Da lege ich die Kamera rein und lasse sie unseren Obdachlosen filmen, wie er durch die leere Tiefgarage geht. Das ist nun eine, wie ich meine, dank schrägem Sonnenstand sehr gelungene Szene, die im Drehplan nicht vorkommt. Mal sehen, was die Leute beim Schnitt dazu meinen.

Soweit ich es überblicke, klappen diese genauen professionellen Drehpläne aber dann doch pro Drehtag: Sie bauen Pufferzeit bei jeder Szene ein. Wenn dann eine von fünf Szenen deutlich länger dauert, so nutzt sie die ungenutzten Pufferzeiten der vorherigen vier Szenen. Und last not least endet eben der Drehtag eben erst dann, wenn die vorgesehenen Szenen bitte gedreht sind. Uff.