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Gewaltige Technik,
phantastische Videos, ständige Festivals....
Hallo liebe Mitglieder!
Habt ihr neue Videos produziert? Oder "nur" konsumiert: Feste besucht, Glotze
geguckt? Wenn ihr weniger Videos produziert habt und mehr angeschaut habt: Ihr liegt im
Trend...
Die Ordentlichen unter uns legen sich mittlerweile für jede Produktion einen richtigen
Verteilungsplan an: Wagen wir den internationalen Videokunstpreis? Sind wir jung genug
für "Jugend und Video"? Bewerben wir uns mit dem Werk an einer Filmhochschule?
Sie produzieren sorgsamer, mehr zielgruppen- und weniger selbstgerecht als einst im Mai.
Die Süchtigen schaffen es im Laufe weniger Jahre, auf zahlreichen Fesitvals
herumzureisen. Sie sind Eingeweihte. Sie kennen Filme, die die Welt nie kennen wird. Bis
ein Drittel der Videos, die sie sehen, ihnen schon bekannt ist, und ein Drittel der
Besucher ihnen mehrfach begegnet - das sind die andern Süchtigen aus dem engen Zirkel der
Nachwuchsfilmer.
Und fast alle treffen auf das tragische dreimalige NEIN: Werde ich mit Video je
berühmt? Wo bitte laufen in der Branche die Leute rum, die ich anbaggern möchte? Kommt
da eigentlich jemals Kohle rüber?
Tja. Die Pionierzeit der Video-kann-jeder-Euphorie ist wohl vorbei. Da haben wir
unsere Eltern erlebt, wie sie den Kasten mit durchgeschüttelten, unsortieren Fotos immer
weniger pflegten und ganz heimlich mit der Fotografiererei aufhörten. Und nun häufen
sich in immer mehr Video-AGs und Privatschränken diese schlechtbeschrifteten,
halbbespielten, kurzgesichteten, ungeschnittenen Videokassetten und verkünden: So könnte
ihr nicht weitermachen! Uns will keiner sehen, wir kosten bloß was!
So richtig zum Nachdenken über den kleinen Tod des Amateurvideos kommen wir aber nicht.
Denn uns jagt die nächste Euphorie: Multimedia kann jeder! Bau dir deine Homepage!
Layoute deine Weihnachtskarte! Führe ein tonbildtextinteraktives Tagebuch! Nur zu.
Häufen wir neues Amateurwerk, bis es uns anbrüllt: So könnt ihr nicht weitermachen! Uns
klickt niemand an, wir kosten bloß was!
Bei Video ist es unterdessen soweit: Träume werden spät wahr und deshalb nur matt
wahrgenommen - Digitalkameras! Keine Kopierverluste mehr! 50 Kurzvideos des
internationalen Videokunstpreises laufen einen Monat lang im Fernsehen - vor zehn Jahren
lief da noch gar nichts...
Der eigenständige Videofilm befindet sich möglicherweise auf seinem Höhepunkt in
Technik und Qualität, bevor er vom Nachfolger - Multimedia-Produktionen im Internet - dilletantisch überwalzt wird.
Was tun? Video genießen und ausnutzen. Staunen wir über die Unmengen guter Videofilme,
die mittlerweile produziert sind. Und wandeln wir unser Staunen um in finale eigene
Beiträge.
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Chris filmt
"Kontaktlinsen" in Prag
Explosion und Implosion im Videobereich
Okay. Die Filmfestivals blühen. Aber die Videoaktivitäten an der Basis, das mutige
Treiben der Amateure, geht nach Eindruck des BVJA zurück. Videoarbeit wird im Jahr
2010
nach unserem Eindruck an Schulen nur noch etwa ein Fünftel so eifrig betrieben wie, sagen
wir, 1990. Viele Filmgruppen reagieren auf keinen Schubs mehr, die Adressaten von
Videomagazinen sucht man mit der Taschenlampe.
Dabei sitzen wir als junge Video-Handwerker theoretisch mitten in der Explosion:
Preiswerte digitale Produktion von Design, Audio und Video sowie anschließende
Kommunikation mit und über das Produkt rasen auf uns zu wie die Sterntaler aufs
Märchenkind.
Praktisch-gesellschaftlich stecken wir aber in einer Implosion: Mit höhergeschraubten
Prüfungsbergen und hohlen Inhalten werden wir durch Ausbildungen gequetscht. Die Schule
hört gar nicht mehr auf. Jobsuche und viele Jobs sind quälender geworden. Glaubt bloß
nicht, daß es kein Geld mehr in der BRD gibt. Es wird aber immer geschickter von uns
ferngehalten. Und so verschwindet dann die Chance zur gesicherten Pause, hinter der ein
Mensch z.B. sagt: "Ich denke, also filme ich."
Traum-Maschinen verarmen zu technischem Kram, Wunsch-Möglichkeiten treffen auf wunschlose
Hektik.... Okay, stop. Organsiationsformen wie der BVJA sind nicht zum Jammern da. Über
den Verband können wir, könnt IHR angreifen. Tun wir's.
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